Die Geschichte des VfR „Olympia“ 1945 Kronau e.V. beginnt gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als sich heimgekehrte Soldaten nach Frieden und Normalität sehnten und nach Ablenkung von den schrecklichen Kriegserlebnissen im Sport suchten. Ganze Familien, deren Wohnungen während des Krieges zerstört wurden oder die ihre alte Heimat verlassen mussten, fanden in Kronau ein neues Zuhause. Manche der Neubürger gewannen im Fußball schnell neue Freunde und Gleichgesinnte.
Schon bald versuchten die neuen „Fußbäller“ sich dem Turnverein anzuschließen. Als das nicht zustande kam, wollte eine kleine Gruppe um Albert Kümmerlin und Hermann Rothenberger einen eigenen Verein gründen, doch so einfach wie heute war es damals nicht, denn Kronau war zunächst von französischen Truppen besetzt, die später von amerikanischen Besatzern abgelöst wurden.
Ein Name für den neuen Verein war schnell gefunden „Verein für Rasenspiele Olympia 1945 Kronau“. Darin enthalten ist „Rasenspiele“ als Abgrenzung zum Turnverein und der Bezug zur Olympischen Idee, ergänzt um das Gründungsjahr und den Heimatort. Die erste Sportkleidung der Spieler wurde vom Radsportverein RSV „Ideal“ gestiftet, und „blau und weiß“ sind bis heute die Farben des Vereins.
Einer Versammlung am 26. September 1945 im „Gasthaus zur Krone“ mit 16 Teilnehmern folgte die Gründungsversammlung im „Badischen Hof“ am 3. Oktober 1945. Alle 51 Teilnehmer wurden zu Gründungsmitgliedern ernannt. Albert Kümmerlin übernahm kommissarisch den Vereinsvorsitz und Anfang 1946 zählte der Verein bereits 120 eingetragene Mitglieder. Die offizielle Genehmigung des Vereins durch die amerikanischen Besatzer wurde am 28. März 1946 erteilt. Leonhard Hillenbrand wurde zum ersten Vorstand des VfR gewählt und wurde als „President“ in der offiziellen Urkunde eingetragen und Gründungsmitglied Nummer eins, Albert Kümmerlin, als „Vice President“.
Komplettiert wurde die erste offizielle Vorstandschaft im Frühjahr 1946 in einer Generalversammlung bei der Wendelin Acker als „Secretary“ und Otto Mächtel als „Treasurer“ gewählt wurden.
Der Spielbetrieb lief nicht immer mit den erwünschten Erfolgen an. Unvergessen für die damaligen Spieler dürften auch die legendären Kritiken des Spielausschussvorsitzenden Heinrich Vetter sein, dessen Feststellungen meistens darin gipfelten, dass „beim Spiel vum letzten Sundag von vonne bis hinne alles scheiße war“. Die Kritik schloss meistens mit der Redewendung: „un wenn’s am Sundag gege Langebrücke net besser leeft, dann gut Nacht lieber Herrgott“.
Im Jahre 1947 löste Johann Hess den bisherigen Vorstand Leonhard Hillenbrand ab. Mit dessen Wahl waren auch die Transportprobleme weitgehend gelöst. Die „Roll” vom Schimmel Lud’ und die vollgummibereiften Fahrräder der Spieler und Fans wurden nun durch die erstklassige Holzvergaser vom Hannes ersetzt. Zeitweise war sogar der alte Opel P4, der damals als Herrschaftswagen zu betrachten war, im Einsatz.
In die Ära von Johann Hess fällt auch die Gründung einer Laienspielgruppe, die mit mehreren „Oscar-reifen” Aufführungen vor die Öffentlichkeit trat. Der verantwortliche Regisseur und Bühnenbildner, Lehrer Dahringer, konnte ein beachtliches Ensemble um sich versammeln. Zeitzeugen erinnern sich sicherlich an folgende Szenen und Charaktere:
- Die große Sterbeszene im finsteren Balkan (Hermann Hillenbrand)
- Die Heldenmutter (Maria Hess)
- Den Lindhammer (Otto Stellberger)
- Die jugendliche Liebhaberin (Theresia Felbermeier-Moch)
- Den jugendlichen Helden (Heinrich Dammert)
- Den vornehmen Grafen (Hermann Rothenberger)
- Die Schurken vom Dienst (Werner Frank, Alois Hees)
- Die waffenstrotzenden, schnurrbärtigen Reisige und Forsträte
Die Festlichkeiten wurden stets umrahmt von der vortrefflichen Kapelle Rothenberger mit Stehgeiger Lieber. Unvergessen dürften auch die urwüchsigen Gesänge unseres Sportfreundes Friedrich Knebel (der Bandelwurm und ähnliche Moritaten) sein.
Mit den Einnahmen aus dem Spielbetrieb und den Theaterabenden ging der Verein daran, sich ein eigenes Sportgelände zu schaffen. Das Forstamt Bruchsal stellte hierfür ein Gelände beim Hirschsprung zur Verfügung. Die Restbestände des Kunz’schen Wäldchens wurden kurzerhand als Naturtribüne ausgebaut. Das ideal gelegene Sportgelände musste nach drei Jahren leider wieder aufgegeben werden, weil es für die damaligen Verhältnisse zu weit vom Ort entfernt war.
Unter Vorstand Wilhelm Stellberger baute der Verein am Sportplatz an der Schillerstraße in Eigenarbeit ein Clubhaus und wendete hierfür die für die damalige Zeit stattliche Summe von 3.300 D-Mark auf. Die schönen Stunden, die der Verein in seinen eigenen vier Wänden verbracht hat, sind heute noch vielen in Erinnerung.
… Fortsetzung folgt …
Blau und Weiß – das VfR Vereinslied
Blau und Weiß wie lieb ich dich, wie lieb ich dich
Blau und Weiß ist auch ein Gruß für mich, ein Gruß für mich
Fußball spielen kann nicht Jedermann, Jedermann
Auf dem Sportplatz soll er zeigen was er kann
Blau und Weiß wie lieb ich dich, wie lieb ich dich
Blau und Weiß ist auch ein Gruß für mich, ein Gruß für mich
Alle Mädchen die so jung und schön, jung und schön
Sollen nur mit einem Fußballspieler gehen
Blau und Weiß wie lieb ich dich, wie lieb ich dich
Blau und Weiß ist auch ein Gruß für mich, ein Gruß für mich
Wenn der Sportplatz unter Wasser steht, Wasser steht
Blau und Weiß doch niemals, niemals untergeht
Blau und Weiß wie lieb ich dich, wie lieb ich dich
Blau und Weiß ist auch ein Gruß für mich, ein Gruß für mich
Ist die Meisterschaft schon längst dahin, dahin
Kronau bleibt doch immer Fußballkönigin